Wer gerne richtig viel Geld ausgibt, der sollte sich mal die Glaswaren von dieser Insel anschauen, die seit 1924 zur Stadt Venedig gehört. Vorsicht! Wie so oft heutzutage gilt aber auch hier: nicht alles was unter dem Namen Murano verkauft wird, kommt auch wirklich aus Italien. China lässt grüßen. OK, das Brettspiel zur „Glasinsel“ von dem sehr aktiven Autorenehepaar Brand wurde auch nicht in Italien produziert, aber immerhin ist es in Deutschland hergestellt. :-)

mir gefällt das Cover

 

Auf dem beidseitig bedruckten Spielplan (für 2/3 und für 4 Spieler) sind jeweils sieben Inseln abgebildet, von denen die Spieler sechs (zu zweit/dritt nur fünf Inseln) mit Straßen, Läden, Palästen, Glashütten und Sondergebäude bebauen können. Die Bauregeln sind ganz einfach: jedes Gebäude muss an eine Straße gebaut werden. Mehr Regeln gibt es nicht, also kein Vergleich zu Bauvorhaben in Deutschland 2015. :-) Da diese Insel zu dieser Zeit (Beginn 19. Jahrhundert?) anscheinend gute Verdienstmöglichkeiten anbot, führte das dazu, dass 8 Schiffe permanent um diese Inseln kreisten, ohne jemals Murano zu verlassen. Ok, eine besonders gelungene thematische Umsetzung findet man bei Strategie-/Taktikspielen nur selten und mich stört das auch in diesem Fall nicht weiter.

der Start einer 4er Partie

Die kreisenden Schiffe sind für das Spiel von großer Bedeutung, da mit ihnen die Spieler ihre Aktionswahl durchführen. Der aktive Spieler bewegt ein Schiff zu einem freien Feld, da dies hier kein Rennspiel ist, darf auch nicht überholt werden, und führt die Aktion des Zielfeldes durch. Dann ist auch schon der nächste Spieler am Zug. Man kann auch zwei oder noch mehr Schiffe bewegen – das zuletzt bewegte Schiff gibt dann die Aktion vor - um ein bestimmtes zuvor besetztes Feld zu aktivieren. Dies kostet aber Geld, und Geld ist auch in diesem Spiel eine kostbare Ressource.

teure Glasproduktion: kostet hier nicht nur zwei Siegpunkte pro Glasstein sondern auch drei Geld

Die 18 Felder auf denen sich die 8 Schiffe bewegen, ermöglichen verschiedene Aktionen, die teilweise einzigartig sind. Alleine 10 Felder widmen sich dem Gebäude-/Strassenbau bzw. der Beschaffung der verschiedenen Gebäude (nicht ohne Geld!). Beim Bau erhält man Siegpunkte, Sondergebäudekarten (mit besonderen Fähigkeiten), verbessert die Einkommensmöglichkeiten - Straßen (bringen drei Arten Kunden auf die Insel) und Läden (für die drei verschiedenen Kundenartenfarben- oder legt den Grundstein für die Glasproduktion (Glashütte). Weitere Felder dienen der Glasproduktion (drei verschiedenfarbige Glassteine) und befriedigen den Drang zum Geld.

eine 4er Partie, die vielleicht bald zu Ende ist :-)

Die jeweils 2x vorkommenden Felder „Gondoliere einsetzen“ und „Charakter anwerben“ widmen sich ganz dem „überraschenden“ Spielziel, möglichst viele Punkte zu sammeln. :-) Neben den bereits während des Spiels gesammelten Siegpunkte gibt es nur dann am Spielende weitere Punkte, wenn man sich zuvor Charakterkarten („Auftragskarten“) besorgt hat. Da das aber "zu einfach" wäre, haben die Brands noch einen weiteren kleinen interessanten Kniff eingebaut. Für jede Charakterkarte muss auch jeweils ein eigener Gondolieri auf einem der jeweils vier Plätze an den 5/6 Inseln platziert werden, damit sie für die Schlusswertung berücksichtigt wird.

"eigentlich gibt" es in einer 4er Partie für jeden Spieler einen Platz an jeder Insel :-)

Diese Charakterkarten sind sehr unterschiedlich: Mal gibt es Punkte, wenn der Spieler als einziger eine Glashütte auf dieser Insel hat, für ein bestimmtes Verhältnis von Sondergebäuden und einer Kundenart, für alle Läden die an eine bestimmte Kundenfarbe verkaufen, für Glassteine einer bestimmten Farbe, oder die Karte ermöglicht das Umtauschen von Geld in Siegpunkten. Es gibt Karten die auf jeder beliebigen Insel eingesetzt werden können, andere haben eine Vorgabe für eine bestimmte der 5/6 Inseln. Mit 40 Charakterkarten ist für Abwechslung gesorgt. Da man aber bei der Aktion "Charakter anwerben" immer nur drei Karten zur Auswahl hat, bringt dies auch eine gewisse Zufälligkeit in das Spiel. Es gehört gerade zum Ende des Spiels eine gute Portion Glück dazu, eine "machbare" Karte auswählen zu können.

in der oberen Reihe sind die Charakterkarten für Zocker :-)

Gerade diese Glückselemente bei der Beschaffung bzw. Erfüllung der Charakterkarten und dem zufälligen Ziehen der passenden Straßen stören mich bei Murano. Ich habe kein Problem mit solchen Elementen in Spielen, aber in diesem Fall passt es für mich nicht gut zu dem restlichen Spielgefühl. Insbesondere da die Erfüllung der Charakterkarten sehr unterschiedlich vom Zufall/Glück beeinflusst wird. Man bereitet über viele Züge vor, dass eine Insel gleichviele Glashütten, Paläste und Läden hat, da legt ein Mitspieler als letztes eine weitere Glashütte auf den letzten Bauplatz und der Spieler erhält statt 16 Punkte eine große fette 0. :-) Da würde mir eine geringere Zufallsvarianz entgegen kommen.

die Hoffnung stirbt zuletzt, jetzt helfen nur noch (selbst gebaute) Sondergebäude

 

die sieben verschiedenen Strassenarten, da braucht man Glück um die richtige Strasse zu ziehen

Das wäre vielleicht OK, wenn alle Charakterkarten so ausgelegt wären und das gezielte Vermeiden zum Spiel dazu gehören würde. Aber leider sind die Karten in diesem Aspekt (Anfälligkeit für „Störungen“) doch sehr unterschiedlich. Die Interaktion beschränkt sich auf die zufällige Durchkreuzung der Baupläne anderer Spieler, das gelegentliche verteuern/verhindern der gegnerischen Aktionswahl und der seltene "Kampf" um die Plätze für die Gondoliere. Das ist für mich bei einem solchen Strategie Leichtgewicht eine ausreichende "Portion".

nur die rechte Karte, stellte ein Problem dar

Ein weiterer großer Kritikpunkt ist für mich der unbefriedigende Spannungsverlauf. Jede meiner fünf Partien verlief ähnlich ab. Der Einstieg in die Partie ist erst einmal etwas zäh, dann hat man eine größere Geldquelle (Aktion Einkommen und/oder Aktion Produktion) und das Mittelspiel verläuft nicht uninteressant. Da es jedoch nur eine einzige Spielendebedingung gibt – zwei Plättchensorten sind aufgebraucht – zog sich in meinen Partien das Spielende in einem für mich nicht erträglichen Umfang. Wenn die Spieler während der Partie kein so großes Interesse am Bauen entwickeln, und nur ein Spieler Interesse am Erreichen des Spielendes hat, dann endet Murano für mich nicht mit einem positiven Spielgefühl. Darüber hinaus dauert es mir dann für ein Spiel dieses Kalibers und mit dem beschriebenen Kartenungleichgewicht/Glücksfaktor auch zu lange.

der allgemeine Vorrat von zwei Plättchenarten müssen für das Spielende aufgebraucht sein

Dabei hat diese Lookout Neuheit einige Elemente, die mir gut gefallen. Die Aktionswahl im variierten Rondell und das Freischalten der Siegpunktkarten durch das Platzieren der Gondoliere überzeugt mich in dieser Form. Prinzipiell finde ich auch unterschiedliche Spielziele/Sonderfähigkeiten und das Bebauen von Inseln spannend. Aus den Zutaten hätte man sicherlich auch für meinen Geschmack ein gutes kurzweiliges Spiel zusammenstellen können. Aber Geschmäcker sind glücklicherweise sehr unterschiedlich. Die Qualität des Spielmaterials und die Regel geben mir dagegen keinen Anlass zur Klage. Auch die beiden Partien zu zweit fielen nicht im Vergleich zu den anderen Besetzungen ab.

ein Teil des Spielmaterials: gute Qualität nicht nur beim Holz und den GlasPlastiksteinen

 

Regel mit vielen Bildern

Wer jetzt glaubt, mir würde Murano wegen meinem Abschneiden in den Partien nicht gefallen, liegt falsch. Ich konnte vier von fünf Partien gewinnen, und das jedes Mal ohne Glashütten. :-) Natürlich könnte ich noch mehr Partien spielen, um Murano noch weiter zu testen. Aber es gibt so viele (neue) Spiele die mir bedeutend besser gefallen und bei denen ich nicht froh bin, dass die Partie endlich zu Ende ist. Aus diesem Grund und dem Zwang ein Zimmer zu räumen wird Murano auch nicht sehr lange in unserer Sammlung verweilen. In Zukunft werde ich ggf. wieder mal eine Partie mitspielen, aber es in den meisten Fällen doch mit einem Gegenvorschlag versuchen.

einmal habe ich sogar mit Sonderkarten gespielt

Generell sollte man sich auch immer selber einen Eindruck von einem Spiel machen. Gerade bei diesem Titel habe ich das Gefühl, dass meine subjektive Meinung die Qualität von Murano vielleicht zu streng bewertet. In den verschiedenen Partien gab es auch 2, 3 Mitspieler denen es richtig gut gefallen hat. Also probiert es mal selber aus, aber bitte plant mich nicht mit ein. Was soll ich machen, meinen Geschmack trifft es nicht, also gibt es von mir eine glatte 5 (von 10 Punkten). (zum Bewertungsschema)

leider fehlt die zweite Reihe komplett: 5 von 10 Punkten

Titel: Murano

Autor: Inka & Markus Brand

Illustrator: Klemens Franz

Verlag: Lookout Spiele (deutsch)

BGG-Durchschnittsnote: 7,18 (Stand 07.01.2015)

Erscheinungsjahr: 2014

Spieleranzahl: 2 bis 4 Spieldauer: ca. 60 bis 75 Minuten

Anzahl Partien bis zur Rezension: 5

Rezensionsexemplar: günstiger vom Verlag erhalten

   
Copyright © 2017 Spielen geht immer. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.